Strahlennetze in der Wärmenetzplanung

Strahlennetze zählen zu den am häufigsten eingesetzten Netzstrukturen in der Nahwärmeversorgung – gerade dort, wo Projekte überschaubar bleiben, zentrale Wärmeerzeugung vorgesehen ist und wirtschaftliche Planung im Vordergrund steht. Im Sprachgebrauch wird oft auch der Begriff Sternnetz verwendet – gemeint ist dieselbe Netzform: ein zentraler Wärmeerzeuger, der mehrere Verbraucher über einzelne Leitungsstränge versorgt. 

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Wir arbeiten an neuen Funktionen zur Berechnung und Auslegung komplexer Wärmenetze – von Quartieren bis zu kommunalen Netzen.

Was ist ein Strahlennetz?

Ein Strahlennetz (auch Sternnetz genannt) beschreibt die einfachste Form eines Wärmenetzes. Von einer zentralen Erzeugungseinheit – z. B. einer Wärmepumpe, einem BHKW oder einem Biomassekessel – führen einzelne Versorgungsstränge direkt zu den angeschlossenen Gebäuden. 

Im Gegensatz zu Ring- oder Maschennetzen gibt es bei Strahlennetzen in der Regel keine Rückführung oder alternativen Fließwege. Das macht sie besonders übersichtlich, günstig und schnell umsetzbar.

Technische Eigenschaften von Strahlennetzen

  • Einseitige Einspeisung von der zentralen Wärmequelle 
  • Separate Stränge zu jedem Verbraucher 
  • Klare hydraulische Struktur, einfache Dimensionierung 
  • Keine Redundanz – jeder Strang ist direkt vom Erzeuger abhängig 

Ringnetze lassen sich in berta & rudi automatisiert abbilden, simulieren und optimieren – inklusive hydraulischer Berechnung und wirtschaftlicher Bewertung. 

Typische Einsatzbereiche für Strahlennetze

Strahlennetze eignen sich ideal für:

  • Kleine Nahwärmenetze in Neubauquartieren 
  • Dörfer oder ländliche Strukturen mit wenigen Anschlusspunkten 
  • Autarke Areale wie Schulen, Kliniken oder Gewerbegebiete 
  • Inselnetze mit begrenztem Ausbaupotenzial 
  • Kalte Nahwärmenetze mit zentraler Einspeisung (5G) 

Gerade in der kommunalen Wärmeplanung (KWP) werden oft Quartiere identifiziert, für die ein Strahlennetz die sinnvollste und wirtschaftlichste Lösung darstellt.

Vergleich: Sternnetz (Strahlennetz), Ringnetz und Maschennetz

Sternnetz / StrahlennetzRingnetzMaschennetz
GrundstrukturZentrale Einspeisung mit sternförmiger VerteilungGeschlossener Kreis, Wärmefluss aus zwei RichtungenMehrere miteinander verbundene Leitungen und Knotenpunkte
KomplexitätNiedrig – einfache Hydraulik und PlanungMittel – hydraulisch stabil, aber etwas aufwendigerHoch – komplexe Hydraulik und Steuerung
RedundanzNiedrig – Ausfall einer Leitung kann ganze Stränge beeinträchtigenMittel – alternative Fließwege im StörfallHoch – mehrere alternative Versorgungswege
VersorgungssicherheitGering – bei Störungen anfälligHoch – Lastfluss, verteilbar, Störungen leichter kompensierbarSehr hoch – maximale Betriebssicherheit
InvestitionskostenNiedrig – kurze Leitungswege, einfache InstallationMittel – mehr Rohrmeter als SternnetzHoch – viele Leitungen, Netzabzweige, Regeltechnik
Typische AnwendungKleine Netze, klare Struktur, geringe VariabilitätQuartiere, heterogene VerbrauchergruppenGroße oder sehr dynamische Wärmenetze

Vorteile eines Strahlennetzes

1. Geringe Investitionskosten 

Weniger Leitungsaufwand, weniger Tiefbau, weniger Material. 

2. Einfache Planung & Umsetzung 

Klare hydraulische Verhältnisse, einfache Regelbarkeit. 

3. Ideal für überschaubare Netze 

Perfekt für kleine Nahwärmeinseln, Neubaugebiete und Einzelnutzungen. 

4. Gut geeignet für zentrale Erzeuger 

Von der zentralen Energiequelle aus lassen sich Verbraucher direkt anbinden. 

5. Wenig Komplexität im Betrieb 

Keine Umlenkungen oder Rückflüsse, einfache Überwachung. 

Herausforderungen eines Strahlennetzes

1. Keine Redundanz 

Fällt ein Leitungsabschnitt oder eine zentrale Quelle aus, ist der versorgte Strang betroffen. 

2. Hohe Anforderungen an den Erzeugerstandort 

Der zentrale Erzeuger ist ein Single Point of Failure. 

3. Begrenzte Skalierbarkeit 

Bei wachsender Nachfrage stoßen Sternnetze schneller an Kapazitätsgrenzen. 

4. Potenziell höhere Spitzenlastanforderungen 

Da die Einspeisung nur von einem Punkt erfolgt, muss der Erzeuger Spitzenlasten alleine stemmen. 

5. Druckverluste können schnell steigen 

Lange Strahlen → hoher Pumpenergiebedarf. 

Warum Strahlennetze auch in Zukunft wichtig bleiben

Trotz aller Diskussionen um komplexe Wärmenetze sind Strahlennetze nicht „von gestern“ – im Gegenteil: 

  • Viele Kommunen planen überschaubare Netze mit begrenztem Budget. 
  • Zentrale Erzeugung reicht in vielen Fällen völlig aus. 
  • Kalte Nahwärmenetze (5G) funktionieren auch in Stern- bzw. Strahlennetzstruktur. 
  • Förderprogramme & KWP-Ergebnisse zeigen oft kleinere Versorgungsinseln – ideal für Strahlennetze. 

Mit der richtigen Software lassen sich Strahlennetze präzise, normgerecht und wirtschaftlich fundiert planen – und bei Bedarf erweitern oder in größere Strukturen überführen. 

Fazit: Strahlennetze – die smarte Lösung für kleine und mittlere Wärmenetze

Wenn du ein einfaches, sicheres und kosteneffizientes Wärmenetz realisieren möchtest, ist das Strahlennetz eine bewährte und weiterhin hochaktuelle Option.

Erfahre mehr zu Ringnetze

Reicht ein Strahlennetz nicht mehr aus? Erfahre, wann ein Ringnetz die bessere Wahl ist.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Ein Strahlennetz (auch Sternnetz genannt) ist eine Wärmenetzstruktur, bei der alle angeschlossenen Gebäude über einzelne Leitungsstränge direkt von einer zentralen Energiezentrale versorgt werden. Jeder Abnehmer ist dabei über einen eigenen „Strahl“ angebunden, ohne geschlossene Ringe oder Querverbindungen zwischen den Leitungen.

Strahlennetze eignen sich besonders für: 

  • kleine bis mittelgroße Wärmenetze, 
  • Quartiere mit klarer zentraler Erzeugung, 
  • erste Ausbaustufen von Nahwärmenetzen, 
  • Projekte mit begrenztem Budget oder geringem Platzangebot. 

Sie sind oft die wirtschaftlichste Lösung, wenn keine hohe Redundanz erforderlich ist. 

Strahlennetze bieten mehrere Vorteile: 

  • einfacher Netzaufbau und geringe Planungskomplexität, 
  • niedrigere Investitionskosten durch weniger Leitungen, 
  • übersichtliche Hydraulik und Regelung
  • gute Eignung für Pilotprojekte oder schrittweisen Netzausbau. 

Gerade für Kommunen und Stadtwerke mit begrenzten Ressourcen sind Strahlennetze häufig ein pragmatischer Einstieg. 

Der größte Nachteil ist die fehlende Redundanz: 

  • Fällt eine Leitung aus, sind die angeschlossenen Gebäude nicht mehr versorgt. 
  • Wärmeflüsse sind eindeutig gerichtet, was die Flexibilität einschränkt. 
  • Die Integration mehrerer dezentraler Erzeuger ist aufwendiger als in Ring- oder Maschennetzen. 

Mit wachsender Netzgröße stoßen Strahlennetze daher schneller an ihre Grenzen. 

Im Unterschied zum Strahlennetz sind Ringnetze geschlossen aufgebaut. Dadurch kann Wärme aus zwei Richtungen fließen, was die Versorgungssicherheit erhöht. 
Strahlennetze sind einfacher und günstiger, Ringnetze bieten mehr Redundanz – aber auch höhere Investitions- und Planungsanforderungen.

Grundsätzlich ja, insbesondere bei: 

  • kleinen Netzen, 
  • wenigen Anschlusspunkten, 
  • klarer zentraler Erzeugung

Für kalte Nahwärmenetze mit bidirektionalen Wärmeflüssen oder vielen Prosumern sind jedoch Ring- oder Maschennetze meist besser geeignet. 

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