Wärmenetze in Quartieren

Schlüssel für eine klimafreundliche Wärmeversorgung

Wärmenetze sind ein zentraler Baustein für die Energiewende – insbesondere auf Quartiersebene. Sie schaffen die Grundlage für eine nachhaltige, effiziente und zukunftssichere Wärmeversorgung im Neubau ebenso wie in der Bestandsentwicklung. Doch wie funktionieren solche Netze eigentlich? Und worauf kommt es bei der Planung an?

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Wir arbeiten an neuen Funktionen zur Berechnung und Auslegung komplexer Wärmenetze – von Quartieren bis zu kommunalen Netzen.

Warum Wärmenetze in Quartieren immer wichtiger werden

Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung und des Gebäudeenergiegesetzes gewinnt die flächendeckende, gebäudescharfe Wärmeversorgung zunehmend an Bedeutung. Insbesondere in neu entstehenden oder zu transformierenden Quartieren bietet sich der Aufbau lokaler Nahwärmenetze an – als flexible, erneuerbare und wirtschaftliche Lösung.

Quartiers-Wärmenetze ermöglichen:

  • die Kopplung erneuerbarer Wärmequellen wie Geothermie, Solarthermie oder Abwärme, 
  • die Versorgung heterogener Gebäudegruppen, von Wohnbauten über Gewerbe bis Industrie,
  • sowie die schrittweise Dekarbonisierung bestehender Wärmestrukturen.

So funktioniert ein Wärmenetz auf Quartiersebene

Ein typisches Wärmenetz in einem Quartier besteht aus einem Vorlauf und einem Rücklauf, die heißes Wasser vom Wärmeerzeuger zu den Gebäuden und zurück transportieren. Die Wärme wird über Wärmetauscher in die Heizsysteme oder die Warmwasserversorgung der angeschlossenen Gebäude eingespeist. Der Rücklauf bringt das abgekühlte Wasser zurück zur Erzeugung – der Kreislauf beginnt von vorn.

Moderne Systeme setzen zunehmend auf erneuerbare Energiequellen wie: 

  • Geothermie 
  • Solarthermie 
  • Holzheizwerke oder Biomasseanlagen 
  • Industrielle oder gewerbliche Abwärme 

Von Fernwärme bis Nahwärme: Unterschiede für Quartierslösungen

Die Begriffe Fern- und Nahwärme werden häufig synonym verwendet – unterscheiden sich jedoch in Reichweite und Struktur: 

NahwärmeFernwärme
Lokale Netze für einzelne Quartiere oder StadtteileÜberregionale Versorgung über große Distanzen
Kürzere Leitungswege, geringere VerlusteHöhere Temperaturen, größere Erzeugungsanlagen
Ideal für dezentrale Erzeugung vor OrtOft gekoppelt an zentrale Großanlagen

Für Quartierslösungen ist Nahwärme in Kombination mit Wärmenetzen der vierten oder fünften Generation besonders geeignet.

Wärmenetz-Generationen im Überblick

Die Entwicklung moderner Wärmenetze lässt sich in fünf Generationen gliedern – mit unterschiedlichen technischen Ansätzen: 

  1. Generation: Historische Dampfnetze, Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Heute nur noch in Ausnahmefällen in Betrieb, z. B. in Teilen von New York City.
  2. Generation: Heißwassernetze mit 120–200 °Cdruckgeführt, zentral mit fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl) betrieben → deutlich effizienter als Dampfnetze, aber immer noch hohe Verluste und CO₂-intensiv.
  3. Generation: Heißwassernetze mit Vorlauftemperaturen um 100 °C. Sie sind weit verbreitet, weisen jedoch hohe Wärmeverluste auf, vor allem bei geringer Abnahme im Sommer.
  4. Generation (Wärmenetze 4.0): Vorlauftemperaturen von etwa 70 °C, deutlich geringere Verluste und gute Eignung für erneuerbare Wärmequellen wie Solarthermie, Geothermie und Abwärme.
  5. Generation (kalte Nahwärmenetze): Bidirektionale Netze ohne klassischen Vor- und Rücklauf. Sie transportieren Wärme und Kälte bei niedrigen Temperaturen und ermöglichen den direkten Energieaustausch zwischen Gebäuden.

Besonders in dicht besiedelten Quartieren sind Netze der vierten und fünften Generation sinnvoll – sie ermöglichen die effiziente Integration regenerativer Wärmequellen und verbessern die CO₂-Bilanz nachhaltig.

Fazit: Wärmenetze als strategisches Element der Quartiersentwicklung

Ob Neubau, Sanierung oder kommunale Wärmeplanung – Wärmenetze in Quartieren bieten die Chance, Wärmeversorgung neu zu denken. Sie verbinden ökologische Ziele mit wirtschaftlichen Vorteilen und stellen einen wichtigen Hebel für die kommunale Wärmewende dar.

Vertiefende Einblicke zu speziellen Netzformen und Technologien findest du in unseren weiterführenden Beiträgen zu Sternnetzen, Ringnetzen und Maschennetzen sowie zu den Vorteilen und Nachteilen kalter Nahwärmenetze und Anergienetzen (kalte Nahwärme).

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Ein Wärmenetz im Quartier ist ein lokal begrenztes Nahwärmenetz, das mehrere Gebäude über zentrale oder dezentrale Wärmeerzeuger versorgt. Es ermöglicht die gemeinsame Nutzung erneuerbarer Energiequellen wie Geothermie, Solarthermie oder Abwärme und reduziert so Emissionen und Betriebskosten. 

Quartiere vereinen unterschiedliche Gebäudetypen und Lastprofile. Wärmenetze ermöglichen es, diese Vielfalt effizient zu versorgen, Gleichzeitigkeitseffekte zu nutzen und erneuerbare Wärmequellen wirtschaftlich einzubinden – ein entscheidender Vorteil gegenüber Einzelanlagen.

Nahwärmenetze sind lokal begrenzt, arbeiten mit niedrigeren Temperaturen und eignen sich ideal für Quartiere. Fernwärme versorgt größere Gebiete über lange Distanzen und ist meist an zentrale Großanlagen gekoppelt. Für Quartierslösungen ist Nahwärme in Kombination mit Wärmenetzen der 4. oder 5. Generation besonders geeignet.

In der Regel sind Wärmenetze der vierten Generation (Wärmenetze 4.0) oder kalte Nahwärmenetze der fünften Generation optimal. Sie weisen geringe Verluste auf, ermöglichen bidirektionale Energieflüsse und lassen sich gut mit Wärmepumpen, Abwärme und erneuerbaren Quellen kombinieren.

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